Ja-Karte

Die Ja-Karte ist klassisch verhaltenstherapeutisch zu sehen. Zielverhalten von Patienten soll verstärkt werden. Viele Patienten haben ernsthafte Probleme damit Lob und Anerkennung zu integrieren und tun es als soziales Gefasel oder Freundlichkeit ab. Häufig verhindert die eigene Unsicherheit, dass Feedback angenommen werden kann, oder es verpufft wieder.

Das Feedback kann durch das Platzieren auf der Rückseite auch später nochmal angeschaut werden. Vielleicht ist es dann wahrscheinlicher das positive Feedback zuzulassen und zu verinnerlichen.

Erleben und Verhalten sind die Grunddomänen der Psychologie. Erleben kann nur über verschiedenen Feedbackzyklen verändert werden. Es entzieht sich zunächst einmal mehr oder weniger der willentlichen Steuerung. Verhalten geschieht willentlich, wie unwillentlich. Intendiertes Verhalten ist Handeln. Häufig ist zunächst einmal Handeln notwendig um Verhalten zu etablieren. Manchmal zeigen Patienten auch schon in Ansätzen Zielverhalten, sind jedoch nicht dazu in der Lage „zu Ende zu Denken“.

„Ich bin so wütend, ich habe ein Schild gemalt!“ – Ist ein Meme der Neuzeit über Protestkultur. Machen wir doch ein: „Ich bin so stolz, ich habe eine Postkarte geschrieben!“ daraus. Die Ja-Karte soll für den Patienten ein Zeichen sein, dass er Fortschritte gemacht hat. Eine Rückmeldung kann also in den folgenden Bereichen geschehen, wenn sich Problemverhalten bessert. – Denn häufig merken Patienten nicht, dass sie zwischendurch sinnvolle Änderungen vornehmen, wenn diese noch nicht den gewünschten Erfolg haben.

Problemverhalten

Problemverhalten kann sich auf Wahrnehmung, Denken, oder letztendlich das Handeln beziehen.

Wahrnehmung / Bewertung

Häufig gehen psychische Probleme mit erheblichen Wahrnehmungs- oder Bewertungsverzerrungen einher. Bei einer depression, wird schwarz/weiß-Denken dominierend sein. Bei einer generalisierten Angststörung wird alles als bedrohlich empfunden, in der Manie wird die Schwierigkeit von Dingen unterschätzt. Fügt man die ACT-Prinzipien zu Grunde ergeben sich eine Reihe von Wahrnehmungsfehlern.

  • Unachtsamkeit: Patient befindet sich zu woanders
    • In der Vergangenheit
      • Ja: „In diesem Gespräch waren sie viel präsenter und haben sich mehr im Hier und Jetzt wiedergefunden.“
      • Nein: “ Sie werden ihre Probleme im Hier und jetzt nicht lösen, wenn sie mit ihrem Kopf in der Vergangenheit festhängen?“
      • Hilfreich: „Ist das hilfreich, sich mit Dingen zu beschäftigen, die man nicht ändern kann?“
      • Probier’s: „Fragen Sie sich jeden Tag beim Zähne Putzen, was heute für sich wichtig ist.“
    • In der Zukunft
      • Ja: „Sie haben sich viel besser auf das konzentrieren können, was im Moment wichtig ist.“
      • Nein: „Sicherheit ist eine Illusion. An morgen zu denken hilft nur, wenn man im jetzt handelt.“
      • Hilfreich: „Ist das hilfreich, wenn Sorgen/Luftschlosspläne dafür sorgen, dass meinen seinen Hintern nicht bewegt?“
      • Probiers: „
    • „Woanders“
      • Bsp.: „Es macht Viel mehr Spaß sich mit Ihnen zu unterhalten, wenn sie auch im Raum sind.“
    • „Beim Gegenüber“ (Externalisierung)
      • Bsp.: „Es ist viel interessanter mehr über sie zu erfahren, und weniger über die Leute die sonst so in ihrem Leben sind.“
  • Akzeptanzfehler: Annahmen über sich oder die Welt sind hinderlich
    • Emotionen werden geblockt / vermieden
      • Bsp.: „Ich sehe ihr echtes Weinen viel lieber als ihr maskiertes Lächeln.“
    • Dinge werden als kontrollierbar wahrgenommen
      • Bsp.: „Ich freue mich darüber, dass sie merken, dass sie mehr Einfluss auf sich und ihre Umwelt haben, als sie glaubten.“
    • Fokus auf Schuld (vs. Verantwortlichkeit)
      • Bsp.: „Ich merke an ihrem Verhalten, dass sie mehr Verantwortung für sich übernehmen. Weiter so!“
    • Fokus auf Dinge die nicht veränderbar sind
      • Bsp.: „Sie können sich mehr und mehr auf das Wesentliche konzentrieren! Es ist toll, wenn sie sich nicht in Nebenschauplätzen verlieren!“
  • Fehlende Selbstbeobachtung:
    • Patienten nehmen Körpersignale nicht wahr
      • Bsp.: “ Ich finde es gut, dass sie es immer besser schaffen auf ihre Körpersignale zu hören.“
    • Patienten konzentrieren sich zu sehr auf Körpersignale
      • Bsp.: “ Ich freue mich, dass Sie mehr versuchen sich auf ihre Umwelt zu konzentrieren, wo sie sich sonst in ihre Körperempfindungen hereingesteigert haben.“

Sofern man an Patienten wahrnimmt, dass sie sich in einem der Bereiche verbessert, sollte dies sofort verstärkt werden!

Denken

Psychotherapie kann gewissermaßen als „lautes Denken“ verstanden werden. Patienten lassen uns an ihren Gedanken teilhaben. Umso wichtiger ist es, sie darin zu orientieren, dass Gedanken an sich vielleicht nicht veränderbar sind, jedoch die Haltung zum Gedanken verändert werden kann.

  • Fraglicher Wahrheitsgehalt
    • Ist dieser Gedankeninhalt real oder eine Idee?
      • Bsp.: “ Ich freue mich, dass sie mehr und mehr lernen unbequeme Wahrheiten für sich zu erkennen.“
    • Cui bono? Wem nützt der Gedanke? Mir oder anderen?
      • Bsp.: „Sie haben erkannt, dass ihnen diese Art von Gedanken nicht weiterhilft. Es ist sehr hilfreich sich von negativen Gedanken zu distanzieren.“
    • Habe ich versucht den Gedanken zu verifizieren? (Nachfragen!)
      • Bsp.: „Ich bemerke dass sie mehr nachfragen und häufiger Unklarheiten klären, statt Grübeleien nachzuhängen.“
  • Fehlende Einordnung der Gedanken
    • Ist der Gedanke hilfreich?
      • Bsp.: “ Sie können immer besser unterscheiden, ob Gedanken hilfreich sind, oder nicht!“
    • Möchte ich den Gedanken verfolgen?
      • Bsp.: “ Sie haben gelernt, dass sie nicht jedem Gedanken nachhängen müssen.“
    • Unterstützt er mich beim Verfolgen meiner Ziele?
      • Bsp.: “ Sie lernen mehr und mehr Gedanken daran zu beurteilen, ob sie der Zielverfolgung dienen.“

Handeln

Ziel der Verhaltenstherapie ist es das Verhalten der Patienten zu ändern. Verhalten wird nach ACT danach bewertet, ob es einerseits wertegeleitet ist und andererseits wirksam ist. Daher Ergeben sich zwei Grundlegende Fragen:

  • Ist das Verhalten wertgeleitet?
    • Entspricht das Verhalten meinen Werten?
      • Bsp.: „Sie schaffen es viel besser gemäß der eigenen Werte zu handeln.“
    • Stehen bestimmte Werte miteinander in Konflikt?
      • Bsp.: “ Sie schaffen es in einer uneindeutigen Situation, das beste aus dem Kuddelmuddel zu machen, und dabei nichts zu vernachlässigen!“
    • Richtet sich das Verhalten gegen meine Werte?
      • Bsp.: „Es war sehr anstrengend Ihnen dabei zuzuschauen, wie sie gegen Ihre Werte handeln. Ich bin froh, dass sie das weniger tun!“
  • Ist das Verhalten wirksam?
    • Konnte ich das gewünschte Ergebnis erzielen?
      • Bsp.: „Auch wenn es noch nicht geklappt hat, finde ich es gut, dass sie sich ausprobiert haben!“
    • Hat das Ergebnis zu den gewünschten Folgen geführt?
      • Bsp.: „Sie haben ihr Verhalten geändert, das hat ganz gut geklappt. Leider hat es nicht das erbracht, was sie erwartet haben. Das tut mir Leid. Machen sie trotzdem weiter!“


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