Rückfall

Rückfälle gehören zum Geschäft, hört man viele Therapeuten als auch Patienten sagen. Häufig ist bei der Bewegung in die Abstinenz Verlangen ein ewiger Begleiter und die meisten Patienten sind irgendwann im Laufe ihrer Abstinenz mit einem Rückfall konfrontiert. Doch wie entstehen Rückfälle, wie erklärt man sie sich und wie kann man mit ihnen arbeiten?

Rückfallkette nach Marlatt

Marlatt hat ein Modell entwickelt, mit dem er die Entstehung von Rückfällen zu erklären versucht. Es gibt verschiedene Variationen davon. Ich nehme bewusst eine überschaubare Variante.

  • 1. Unausgewogene Lebenssituation: Im Leben gibt es verschiedene Dinge die nicht optimal Laufen. Der (Ex-)Abhängige wird dies wahrscheinlich ignorieren und versucht weiterhin zu funktionieren. Vielleicht geht er Konflikten oder Lösungen aus dem Weg. Wahrscheinlich wird er gehäuft im Moment negative Emotionen verspüren, die er wahrscheinlich runterschluckt.
  • 2. Scheinbar harmlose Entscheidungen: Häufig beginnt der Rückfall mit scheinbar harmlosen Entscheidungen. Bei gesunden Menschen würde niemand länger darüber nachdenken, ob man an einer Geburtstagsparty teilnimmt, oder einen Freund besucht, der vielleicht ein Suchtproblem hat. Manchmal sind ganz banale Dinge wie einkaufen gehen, oder Freunde treffen, der erste Schritt in den Rückfall, sofern eine unausgewogene Lebenssituation dazu kommt.
  • 3. Erlaubnisgebende Gedanken: Sofern der Betroffene merkt, dass er erlaubnisgebende Gedanken formuliert, steht er kurz vor dem Rückfall. Diese können sehr unterschiedlich aussehen, wie zum Beispiel: „Ich habe schon so lange nicht mehr konsumiert, das hätte nicht geklappt, wenn ich das nicht im Griff habe.“, „Alle anderen können das ja auch, wieso sollte ich das nicht dürfen.“, „Es gibt ohnehin nichts, wofür ich die Abstinenz aufrecht erhalten sollte.“ Wenn man erlaubnisgebende Gedanken bemerkt, sollte man sofort den Notfallplan einleiten und sich aus der Versuchungssituation entfernen.
  • 4. Rückfall (Ausrutscher/Lapse): Der Betroffene konsumiert, da er dem Suchtdruck nicht widerstehen könnte und konsumiert / übt das Verhalten aus.
  • 5. Rückfallschock: Häufig ruft der Rückfall Wut, Resignation und Selbstzweifel hervor. Der Konsum wird darum häufig aufrechterhalten oder neu eingeleitet.
  • 6. Rückfall ins alte Muster (Relapse): Bei dem Relapse fällt der Betroffene ins alte Konsummuster zurück. Nach längerer Abstinenz schaffen es Abhängige häufig noch ein paar Tage reduziert zu konsumieren, bevor sie wieder in die alten Konsummengen und Konsummuster verfallen.

Notfallplan

Wenn man bemerkt, dass sich erlaubnisgebende Gedanken einschleichen, die zum Konsum aufrufen ist es Zeit den Notfallplan abzurufen. Jeder Patient erarbeitet seinen Notfallplan individuell, weil er selbst am besten weiß, was bei Suchtdruck helfen kann. Häufige Bestandteile sind folgende:

  • Risikosituation verlassen
  • Viel Wasser trinken
  • Mit Freunden / Abstinenzhelfern / Familienmitgliedern telefonieren
  • Abstinenzorte aufsuchen
  • Sich Ablenken
  • Diverse Skills in Kombination mit einer Skillkette

Die wichtigsten Punkte sollte der Klient regelmäßig üben, in diversen Situationen.

Rückfallplan

Bei einem Rückfallplan geht es eher um die Frage wie man mit einem tatsächlichen Rückfall umgeht. Sofern man früh genug reagiert, kann man verhindern, dass ein Lapse zu einem Relapse wird. Umso länger der Klient im Konsum verbleibt umso wahrscheinlicher wird der Relapse, also der Rückfall ins alte Konsummuster. Daher sollte nach einem Rückfall schnell gehandelt werden. Ein Rückfallplan hat häufig folgende Komponenten:

  • Im Vorfeld: Ernennen eines Rückfallhelfers – idealerweise keine zu nahen Angehörigen
  • Kontaktierung des Rückfallhelfers im Falle eines Rückfalls
  • Aufsuchen einer Entzugseinrichtung oder Suchtberatungsstelle
  • Aufsuchen von Orten die mit Abstinenz assoziiert sind.
  • Regelmäßiges Aufsuchen von Selbsthilfegruppen nach wiedererlangter Abstinenz

Abstinenzsicherung

Die Sicherung der Abstinenz erfordert häufig massive Veränderungen im Leben eines Klienten. Hierbei sind häufig erforderlich:

  • Erarbeiten einer sinnvollen Tages- und Wochenstruktur
  • Sofern notwendig: Berufliche Wiedereingliederung
  • Veränderung der Bezugspersonen und Freunde
  • Zuwendung zu neuen Tätigkeiten
  • Erarbeitung von Beruhigungs- und Stimulationsstrategien
  • Regelmäßiger Besuch von Selbsthilfegruppen
  • Inanspruchnahme einer Entwöhnungsbehandlung und einer stationären oder ambulanten Nachsorge
  • Niedrige Anspruchsniveausetzung: „Heute bleibe ich konsumfrei“
  • Erlernen neuer Copingstrategien und Verbesserung des Umgangs mit Emotionen und Bedürfnissen
  • Das setzen von abstinenzfördernden Lebenszielen
  • Aufbau eines Unterstützernetzwerkes
  • Notfallplan, Rückfallplan und beherzte Helfer
  • Entwicklung von Authentizität im Kontrast zum vorherigen Verschleierungsverhalten

Es gibt also viele Dinge, die sich erschwerend zeigen können. Daher ist es immer eine gute Idee das Suchthilfesystem in Anspruch zu nehmen.


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